Zwischen Online-Studium und Campusleben
Mein Double Degree an der City University of Seattle
Wenn ich auf meinen Double Degree an der City University of Seattle zurückblicke, denke ich vor allem an eine Sache: Diese Erfahrung war nicht nur ein klassisches Auslandssemester, sondern ein Programm, das sich sehr gut an das echte Leben anpassen lässt. Der größte Vorteil für mich war die Kombination aus Online-Studium und Präsenzstudium. Ich konnte zunächst online starten, mich an das System gewöhnen, dann mehrere Monate vor Ort in Seattle studieren und lebe seit Januar wieder in Deutschland, um die letzten Kurse online abzuschließen. Genau diese Mischung hat das Programm für mich besonders gemacht – akademisch, organisatorisch und persönlich. In diesem Erfahrungsbericht liegt der Fokus auf dem Doppelabschluss (Double Degree) sowie auf der Möglichkeit, vor Ort und Online-Studium an der CityU zu kombinieren – inklusive meiner persönlichen Learnings und Tipps zur Organisation.
Warum Double Degree
Der Double Degree war für mich vor allem eine Chance, meine akademische Laufbahn mit einer internationalen und praxisnahen MBA-Perspektive zu ergänzen. Ich studiere International Management im Master und wollte bewusst Erfahrungen sammeln, die über reine Theorie hinausgehen: internationale Kursgruppen, Diskussionen, angewandte Cases und ein anderes Hochschulsystem. Zusätzlich war mir wichtig, dass das Programm strukturierte Flexibilität bietet – also nicht nur „online möglich“, sondern wirklich so aufgebaut ist, dass man zuverlässig planen und gleichzeitig die Auslandserfahrung mitnehmen kann.
Mein Studienverlauf: Online → Präsenz → Online
Mein Double Degree war in drei klare Phasen gegliedert.
1) Online Phase (Deutschland) – Juli 2025 bis Ende September 2025 In den ersten drei Monaten habe ich vollständig online studiert. In dieser Phase hatte ich drei fachliche Kurse sowie einen Orientierungskurs. Belegt habe ich: MBA543 Data-Driven Decision Making, MBA532 Operations and Technology Management, MBA521 Law and Governing Modern Business sowie OR8000 New Student Orientation. OR8000 war dabei besonders hilfreich, weil es nicht um Fachinhalte, sondern um das System ging: die Lernplattform Brightspace, den Aufbau von Modulen, die Abgabe von Aufgaben, Discussions und Rubrics. Ich kannte Moodle bereits aus Deutschland – Brightspace funktioniert im Grundprinzip ähnlich, wirkt aber deutlich moderner, übersichtlicher und intuitiver. Dadurch war der Einstieg ins Online-Studium sehr unkompliziert. 2) Vor Ort Phase (Seattle) – Oktober 2025 bis Ende Dezember 2025 Von Oktober bis Ende Dezember habe ich dann vier Kurse vor Ort in Seattle belegt: MBA534 Digital Marketing/Analytics, MBA548 Financial Reporting and Control, MBA559 Emerging Issues / Strategic Decision Making und MBA599 Independent Study. Diese Monate waren für mich das Herzstück des Programms, weil die Lernatmosphäre vor Ort besonders intensiv ist: kleine Kursgruppen, direkter Austausch, Diskussionen und ein stärkeres Community Gefühl. Ein persönliches Highlight war mein Independent Study (MBA599) zum Thema „Entrepreneurship and the Art of Creative Thinking“, der sogar mit Input eines Professors aus Stanford begleitet wurde. Das war für mich ein Moment, in dem ich gemerkt habe, wie inspirierend ein MBA-Setting sein kann, wenn Entrepreneurship und kreatives Denken wirklich praxisnah vermittelt werden. 3) Online-Phase (Deutschland) – Januar 2026 bis Ende März 2026 Seit Januar studiere ich wieder online aus Deutschland und belege aktuell MBA549 Ethics and Social Impact sowie MBA523 Design Thinking for Innovation. Sobald diese Phase bis Ende März abgeschlossen ist, ist mein Double Degree komplett und ich erhalte meinen Doppelabschluss.Wohnen in Seattle: Cornish Commons und neue Freundschaften
Während meiner Zeit in Seattle habe ich im Studentenwohnheim Cornish Commons gewohnt. Ich hatte ein Doppelzimmer, war aber alleine im Zimmer – für mich eine perfekte Kombination aus Ruhe und Gemeinschaft. Gerade im Wohnheim ergeben sich schnell Gespräche und Kontakte, weil viele Studierende in einer ähnlichen Situation ist: neu in der Stadt, neu im Studium, offen für Austausch. Sehr hilfreich war außerdem die World of Students WhatsApp Gruppe, die schon vorab erstellt wurde. Darüber konnte ich bereits vor der Anreise Kontakte knüpfen und hatte vor Ort einen deutlich leichteren Start. In Seattle habe ich schnell Anschluss gefunden und unter anderem Deutsche und Spanier kennengelernt. Eine Mexikanerin habe ich erst vor Ort getroffen und genau das ist für mich typisch für ein Auslandssemester: Aus zufälligen Begegnungen werden oft echte Beziehungen. Aus mehreren Kontakten sind im Laufe der Zeit richtig gute Freundschaften entstanden, die für mich fast genauso wertvoll sind wie der akademische Teil.
Studium vor Ort: Kleine Gruppen, internationaler Mix und klare Struktur
Das Präsenzstudium an der CityU hat mich positiv überrascht, weil es sowohl persönlich als auch strukturiert ist. Die Kursgruppen sind klein, wodurch man nicht „untergeht“, sondern automatisch Teil der Diskussion wird. Dazu kommt die internationale Durchmischung: In meinen Kursen waren Studierende aus verschiedenen Ländern und beruflichen Hintergründen. Dadurch entstehen Diskussionen, in denen man nicht nur Inhalte lernt, sondern auch Perspektiven, Argumentationsstile und Denkweisen. Und wichtig: Nicht nur online, sondern auch das Präsenzstudium ist klar strukturiert. Erwartungen, Aufgaben und Abläufe sind transparent – man weiß schnell, was zu tun ist und wie man sich gut vorbereitet. Das war für mich besonders angenehm, weil es Sicherheit gibt, während man sich gleichzeitig in einer neuen Stadt und einem neuen System zurechtfinden muss.
Online-Studium: Wochenstruktur, Deadlines und Zeitzonen
Das Online-Studium ist in der Regel wöchentlich modular aufgebaut. Jede Woche gibt es Module mit Inhalten, dazu eine Reading List und Aufgaben. Die Reading List sieht auf den ersten Blick oft nach sehr viel aus. Meine Erfahrung ist aber: Man muss nicht immer alles lesen oder anschauen, sondern sollte lernen, sinnvoll zu priorisieren – dann ist der Workload gut machbar. Ein zentrales Thema sind Discussion Posts. In meinen Kursen war es typisch, pro Kurs jede Woche einen Discussion Beitrag zu schreiben. Dazu kamen je nach Woche zusätzliche Assignments. Was man am Anfang unbedingt verstehen muss, sind Deadlines und Zeitzonen. Viele Abgaben richten sich nach Seattle Zeit. Das bedeutet: Wenn etwas „bis Mittwoch“ in Seattle fällig ist, kann das in Deutschland bereits am nächsten Morgen sein. Sobald man das einmal korrekt im Kalender eingestellt hat und mit Remindern arbeitet, ist es aber sehr gut planbar und wird schnell Routine.
Bewertungssystem: Rubrics und Peer Responses
Was ich an der CityU besonders fair finde, ist die Transparenz in der Bewertung. Für nahezu jede Aufgabe gibt es einen Rubric – einen klaren Bewertungsbogen. Dadurch weiß man, worauf es ankommt und was „gut“ konkret bedeutet. Gleichzeitig spielt aktive Beteiligung eine wichtige Rolle. Wer „Exceeding Standard“ (also die volle Punktzahl) erreichen möchte, sollte nicht nur den eigenen Beitrag schreiben, sondern auch auf andere eingehen. In meinem Fall war es typisch, mindestens drei Peer Responses zu verfassen. Das sorgt dafür, dass echte Diskussion entsteht und man auch von den Perspektiven der anderen profitiert.
Mein Organisation System: Warum es ohne Routine schwer wird
Für mich war der Schlüssel, dass ich mir ein simples System gebaut habe. Online-Studium kann man sonst im Alltag leicht „vergessen“, weil es weniger feste Präsenztermine gibt. Ich arbeite deshalb mit wöchentlichen Erinnerungen für Discussion Posts und Peer Responses. Zusätzlich plane ich einen festen 6–8 Stunden Uni Block pro Woche ein, in dem ich die Module durchgehe, die Reading List priorisiere und alle Abgaben vorbereite. Sobald Assignments anstehen, setze ich mir zwei Wochen vorher einen Reminder. In der Woche, in der mehr Abgaben fällig sind, plane ich bewusst mehr Zeit ein. Für mich hat sich das bewährt, weil es Stress reduziert und die Kombination aus Online und vor Ort erst richtig angenehm macht.
Leben in Seattle und Reisemöglichkeiten
Seattle war für mich als Studienort ideal, weil die Stadt einen sehr starken Mix bietet: Coffee Culture und urbanes Leben, aber auch Natur direkt vor der Haustür. Im Alltag findet man schnell Lieblingsorte – Cafés, Stadtviertel wie Capitol Hill, Spots wie Pike Place Market, die Waterfront oder Aussichtspunkte wie Kerry Park. Dadurch entsteht ein echtes Zuhause Gefühl, obwohl man nur für einige Monate dort ist. Was Seattle zusätzlich besonders macht, sind die Reisemöglichkeiten. Man ist schnell draußen in der Natur und kann sehr gut Tages- oder Wochenendtrips machen. Ich war zum Beispiel im Mount Rainier National Park wandern und im North Cascades National Park – beides absolute Highlights. Außerdem ist sogar Vancouver (Kanada) mit einer Busfahrt von rund drei Stunden erreichbar und bietet nochmal einen ganz eigenen Vibe. Für mich war genau diese Kombination aus Studium, Stadtleben und Natur das perfekte Gesamtpaket.
Fazit
Rückblickend hat sich der Double Degree für mich in jeder Hinsicht gelohnt – akademisch, beruflich und persönlich. Besonders stark war die Kombination aus Online-Studium und Präsenzstudium: Online ist alles klar strukturiert und gut planbar, wenn man sich ein System baut. Vor Ort erlebt man das, was ein Auslandssemester einzigartig macht: Community, internationale Kontakte, Diskussionen, Teamarbeit und die persönliche Weiterentwicklung, die nur entsteht, wenn man wirklich aus der Komfortzone rausgeht. Ich habe an der CityU eine sehr transparente Leistungslogik erlebt: Rubrics machen Anforderungen klar, Peer Responses fördern Austausch und Diskussionen, und durch die kleinen Gruppen lernt man automatisch intensiver. Gleichzeitig war die Zeit in Seattle persönlich extrem wertvoll – nicht nur wegen der Stadt selbst, sondern weil aus Kontakten echte Freundschaften geworden sind. Wer überlegt, ein Programm wie dieses zu machen, dem würde ich vor allem raten: Nutze die Struktur, die CityU vorgibt, und ergänze sie durch ein eigenes System (Kalender/Zeitzonen, Reminders, fester Wochenblock). Dann ist die Kombination aus Online und vor Ort nicht nur machbar, sondern wirklich bereichernd. Sobald ich meine aktuelle Online-Phase bis Ende März abgeschlossen habe, erhalte ich meinen Doppelabschluss – und ich würde diese Entscheidung jederzeit wieder treffen.





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