Der Sommer hat gehalten, was er versprochen hat

Mein Rückblick auf den Sommer an der City University of Seattle

Wenn ich an das Summer Quarter zurückdenke, bleibt vor allem ein Gefühl von Weite und Freiheit. Nach dem ersten Quarter dachte ich, ich hätte Seattle und Amerika ganz gut verstanden und kennengelernt. Dann wurden die Tage länger, die Berge schneefrei, und die Stadt hat sich noch einmal völlig neu gezeigt. Es war eine Zeit, in der sich fast täglich etwas verändert hat, draußen in der Landschaft genauso wie bei mir selbst.

Das Summer Programm hat die Gruppen noch einmal neu gemischt, da eine große Gruppe aus Mexiko und Korea nach Seattle kam. Internationale Freundschaften entstanden in so einem Umfeld unglaublich schnell, weil alle gleichzeitig neu sind und jeder weiß, dass die Zeit begrenzt ist. Und weil parallel dazu der Sommer einzog, verlagerte sich fast alles nach draußen. Nach dem letzten Kurs stand meistens schon fest, wo es in den folgenden Tagen hingehen würde.

In diesen Wochen ist dann passiert, was ich SO noch nicht erlebt habe. Im Frühjahr lag in den Bergen noch Schnee, die Wasserfälle führten Hochwasser, die Wälder waren dunkel und nass. Dann zog sich die Schneegrenze Woche für Woche weiter nach oben, die Passstraßen öffneten wieder, und ab Mitte Juli standen die Wiesen am Mount Rainier in voller Blüte. Diesen Übergang nicht nur auf Fotos, sondern in Echtzeit mitzuerleben, gehört zum Schönsten, was ich aus dieser Zeit mitnehme.

Ein Auto war dabei meine wichtigste Errungenschaft. Damit habe ich die National- und Stateparks der Region nach und nach, oft ganz spontan, abgeklappert. Außerdem bin ich häufig nach Vancouver gefahren, um dort meine Gastfamilie und Freunde aus einem früheren Auslandsaufenthalt wiederzusehen. Dass so vieles davon kurzfristig möglich war, lag allerdings nicht nur am Auto.

Denn ob man es glaubt oder nicht: Das Wetter hat konsequent mitgespielt. Seattle wird für seinen Regen oft belächelt, doch der Sommer hier war für mich PERFEKT: Trocken und angenehm mild. Selten über 30 Grad, hell bis nach neun Uhr abends, warm genug für einen Sprung in den Puget Sound oder einen der vielen Alpinseen.

Eines meiner fachlichen Highlights war der Besuch bei Boeing. Dort habe ich mir die Endmontage der 777 und der 777X angeschaut. Für alle Technikbegeisterten definitiv zu empfehlen! Die Dimensionen der Fabrik lassen sich nur schwer beschreiben, man muss einmal daringestanden haben, um das nachvollziehen zu können. Generell habe ich mir viele solcher Trips selbst organisiert, und das ist vielleicht ein wichtiger Hinweis. Seattle öffnet Türen, wenn man anklopft. Amazon, Microsoft und Boeing sitzen hier alle in Reichweite, und ein paar Mails und etwas Hartnäckigkeit bringen einen deutlich weiter, als man vorher glaubt.

Natürlich lief nicht alles von allein. Seattle ist teuer, und ohne Auto wären die meisten dieser Ziele für mich kaum erreichbar geblieben. Die CityU ist außerdem keine klassische amerikanische Campus-Uni mit fertigem Freizeitprogramm. Wer selbst plant und auf Leute zugeht, bekommt dafür aber ein Semester, das so sicherlich kein zweites Mal gibt!

Schlussendlich würde ich Seattle also jedem empfehlen, der Lust auf Natur hat, sich für Wirtschaft und Technologie interessiert und bereit ist, seinen Aufenthalt selbst in die Hand zu nehmen. Und falls du dich fragst, welchen Zeitraum du wählen sollst: Nimm auf jeden Fall den Sommer.

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