Mein Semester in Rom
Erfahrungen, Erkenntnisse und Tipps
Motivation und Vorbereitung
Ein Auslandssemester war für mich bereits seit meinem Bachelor ein großes Ziel. Aufgrund der Pandemie konnte ich diesen Wunsch damals nicht umsetzen, weshalb ich mich zu Beginn meines Masterstudiums bewusst und frühzeitig über Auslandsoptionen informiert habe. Zwischen Bachelor und Master absolvierte ich eine Sprachreise in Rom, lernte die Stadt, Kultur und Sprache kennen und wusste schnell, dass ich für mein Auslandssemester nach Italien zurückkehren möchte. Bei der Entscheidung zwischen Rom und Mailand habe ich mir verschiedene Faktoren ehrlich vor Augen geführt: bestehendes Netzwerk, Lebenshaltungskosten, Klima im Wintersemester, Stadtgröße und Freizeitmöglichkeiten. Rückblickend war Rom für mich die richtige Wahl – insbesondere wegen der internationalen Studierendenszene, der kulturellen Vielfalt und der Lebensqualität. Für ein Auslandssemester würde ich Rom klar empfehlen, auch wenn beide Städte ihre Vor- und Nachteile haben. Die Bewerbung über World of Students verlief sehr unkompliziert. Das International Office unterstützte umfassend mit Informationsmaterialien, Veranstaltungen und Checklisten. Meine Empfehlung an zukünftige Studierende: möglichst früh, idealerweise bereits im ersten Mastersemester, über ein Auslandssemester nachdenken, um genügend Zeit für Kursabstimmung, Finanzierung und Organisation zu haben.
Finanzierung und Unterkunft
Ich empfehle allen Studierenden dringend, sich frühzeitig mit dem Thema Finanzierung auseinanderzusetzen und sich für Stipendien zu bewerben. Das Weltbürgerstipendium war für mich eine sehr wichtige finanzielle Unterstützung, die es mir ermöglicht hat, mich stärker auf Studium und Auslandserfahrung zu konzentrieren. Gerade in einer Stadt wie Rom, in der unerwartete Kosten entstehen können, schafft diese Förderung spürbare Entlastung. Zusätzlich hatte ich, wie einige andere Studierende, die Möglichkeit, meinen Werkstudentenjob mit reduzierter Stundenzahl remote fortzuführen. Wer diese Option hat, kann dies gut mit dem Auslandssemester kombinieren, sollte aber realistisch einschätzen, wie viel Zeit man neben Uni und sozialem Leben investieren möchte. Die Wohnungssuche in Rom kann herausfordernd sein. Die Mietpreise sind vergleichbar mit deutschen Großstädten, der Wohnstandard jedoch oft niedriger. Ich empfehle, früh mit der Suche zu beginnen, sich über die empfohlenen Seiten der Universität zu informieren und unbedingt den Erasmus- und internationalen WhatsApp-Gruppen beizutreten. Besonders zu Semesterenden (Januar/Februar, Juli/August) ergeben sich viele Chancen. Von den Wohnheimen auf dem Campus der UER würde ich eher abraten, da sie teuer sind und einige Einschränkungen haben. Insgesamt gilt: Wer aktiv sucht, findet etwas. Man sollte aber vorsichtig sein und sich über gängige Betrugsmaschen informieren.
Ankommen und Vernetzung
Ich bin eine Woche vor den Welcome Days angereist, was ich sehr empfehlen kann. Die UER bietet ein Buddy-Programm sowie zahlreiche Welcome- und Erasmus-Aktivitäten an. Unabhängig davon, ob man einen Buddy zugeteilt bekommt, sollte man in den ersten zwei Wochen möglichst viele Veranstaltungen mitnehmen. Diese Zeit ist entscheidend für den Aufbau eines sozialen Netzwerks. Das International Office der UER sowie World of Students waren jederzeit gut erreichbar und sehr hilfsbereit.
Studium an der Gasthochschule
Die Einschreibung und Kurswahl an der UER waren unkompliziert. Die Einrichtung der Accounts, die Matrikelnummer und die finale Kursanmeldung erfolgten vor Ort. Wichtig zu wissen: Kurse können kurzfristig entfallen, wenn es zu wenige Anmeldungen gibt, weshalb Flexibilität nötig ist. Überschneidungen im Stundenplan sind möglich, insbesondere bei Kursen aus unterschiedlichen Studiengängen. Die Lehrveranstaltungen fanden ausschließlich in Präsenz statt. Für Auslandsstudierende gilt eine Anwesenheitspflicht von 50 %. Inhaltlich waren die Kurse international ausgerichtet, diskussionsbasiert und praxisnah. Besonders wertvoll war für mich das Lernen in einem internationalen Umfeld und der Austausch mit Studierenden aus vielen verschiedenen Ländern.
Alltag, Freizeit und Leben in Rom
Rom bietet weit mehr, als man in einem Semester erleben kann. Kultur, Geschichte, Kunst, Ausgehen, Sport und Reisen lassen sich sehr gut kombinieren. Durch das gut ausgebaute Bahnnetz sind Wochenendtrips innerhalb Italiens einfach und günstig möglich. Erasmus- und ESN-Organisationen bieten für wenig Geld Sportkurse (z. B. Yoga, Pilates), Sprachkurse, kulturelle Aktivitäten, Aperitivos und Ausflüge an. Auch abseits davon hat Rom eine lebendige Ausgehkultur, besonders in Vierteln wie Trastevere oder San Lorenzo. Empfehlenswert sind außerdem soziale und sozialen Zentren (z. B. ARCI), die Einblicke in das lokale Leben ermöglichen. Essen und Ausgehen sind, abseits der Touristen-Hotspots, deutlich günstiger als in Deutschland, bei sehr hoher Qualität. Nur Supermarktpreise und Events sind vergleichbar teuer.
Herausforderungen und hilfreiche Hinweise
Die größte Herausforderung im Alltag waren für mich die öffentlichen Verkehrsmittel, insbesondere in Kombination mit Streiks. Trotzdem empfehle ich ein ATAC-Monatsticket. Ergänzend nutzen viele Studierende Fahrräder oder E-Bikes (z. B. Lime oder Dott). Gerade abends ist das eine schöne Möglichkeit, die Stadt anders kennenzulernen. Wie in vielen Großstädten sollte man in Rom gut auf seine Wertsachen achten. Ich habe selbst mehrere (versuchte) Diebstähle beobachtet. Eine gute Vorbereitung und Aufmerksamkeit im Alltag sind daher wichtig. Sprachlich kommt man in Rom gut mit Englisch zurecht. Dennoch lohnt es sich sehr, Italienisch zu lernen, sei es über Sprachkurse, italienische Mitbewohnende oder einfach durch den Alltag. Gerade außerhalb Roms ist Englisch keine Selbstverständlichkeit.
Persönliches Fazit und Empfehlung
Einen einzelnen „besten Moment“ meines Auslandssemesters kann ich nicht benennen. Es war vielmehr die Gesamtheit der Erfahrungen: das Studium in einem internationalen Umfeld, das Leben in einer kulturell so reichen Stadt, neue Freundschaften aus aller Welt, verbesserte Sprachkenntnisse und ein großes persönliches Wachstum. Das Weltbürgerstipendium hat einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, diese Erfahrung in dieser Form möglich zu machen. Gleichzeitig hoffe ich, dass dieser Bericht zukünftigen Studierenden hilft, sich realistisch und gut vorbereitet auf ein Auslandssemester in Rom einzulassen. Ich kann ein Auslandssemester uneingeschränkt empfehlen, ob integriert ins Studium oder als Urlaubssemester. Wichtig ist, die eigenen Prioritäten ehrlich abzuwägen und sich gut vorzubereiten.



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